Zwischenwelt

Zwischenwelt

Ein Leben auf Intensivstationen! Ein Leben?

Es war eine knappe Woche, von der ich so gut wie nichts mehr weiß. Ich habe in der Zwischenzeit in den alten Befundberichten und Rechnungen gelesen, und ich musste feststellen, dass ich mich all die Jahre geirrt habe. Ich ging ja davon aus, erst nach ein, zwei Tagen in die Uni-Klinik verlegt worden zu sein, aber dem war nicht so: Ich noch am selben Abend direkt dorthin gebracht worden … wissen tue ich davon nichts. Ich weiß, dass ich von Untersuchung zu Untersuchung gebracht wurde und dass mir der Professor mitteilte, am 5. Februar sei meine OP angesetzt. Wie sagt man einem Professor, dass einem ungerade Zahlen Unglück bringen? Ich erinnere mich, dass ich mehr Angst vor dem Datum als vor der OP hatte. Aber dann kam Professor von sich aus am nächsten Tag und teilte mir mit, dass die OP um einen Tag verschoben sei, da er und seine Kollegen der Meinung seien, ein Tag Ruhe mehr würde mir gut tun.

Ich war ein Todeskandidat, Überlebens-Chancen 20%!

Woher ich das jetzt nehme, weiß ich auch nicht. Irgendwie fühlt es sich so an, als sei es so gewesen.

Besuch? Doch, mein Bruder war in der Woche mal kurz da. Mit ihm meine Nichte, damals 13 Jahre alt, die mir ein Schlüsselanhänger-Plüschpferd als Glücksbringer mitbrachte. Ich glaube, ich habe mich nie so sehr über etwas gefreut! Und noch nie hat jemand so an mich gedacht! Das Pferd hängt an meinem Monitor und ist so den ganzen Tag bei mir. Ansonsten fragte mein Bruder, ob meine Cousine kommen sollte. Die hatte acht Jahre zuvor jeglichen Kontakt abgebrochen, wenn sie auch behauptet, ich hätte das getan. Stimmt aber nicht, ich hatte damals einfach gewagt, Kritik an ihrem Verhalten mir gegenüber zu üben. Egal! Ob ich sie unter den gegebenen Umständen noch einmal sehen wollte, fragte mein Bruder …

Er blieb auch nicht lange, was ich ihm allerdings nicht verdenken kann. Was haben wir beide uns schon zu sagen? Es war der einzige Besuch in zwei-ein-halb Monaten Krankenhausaufenthalt, der folgte …nein, bei meiner OP saß niemand draußen und wartete, niemand rief ich an und fragte, wie es geht …

 

 

 

 

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