Mein vierter Todestag

Mein vierter Todestag

Es ist schon ein bisschen merkwürdig, dieses Datum: Es ist der 31. Januar 2018 … und hätte ich nicht in einer so fortschrittlichen Zeit gelebt, dann wäre ich vor genau vier Jahren gestorben! Ohne Telefon, ohne Rettungsdienst, ohne excellente Ärzte wäre ich einer schweren Lungenembolie zum Opfer gefallen … und du kannst mir glauben, das war kein schönes Gefühl!

So um diese Zeit, es ist jetzt ca. 19:00 h, fing das Desaster vor vier Jahren an – nur hatte ich damals keine Ahnung, was aus der Luftnot und den dazukommenden Angstgefühlen werden würde. Seit 1980 kenne ich Panik-Attacken und ich dachte, es sei wieder eine solche. Wenn ich auch absolut nicht wusste, warum das jetzt wieder sein musste, es gab absolut keinen Grund. Aber so war das ja oft.

In den Anfangsjahren ging ich noch zu Ärzten, die nichts fanden, dann zu Nervenärzten, die viele Tabletten verschrieben … helfen taten die nicht. Es folgten Psychiater und Psychologen, schließlich sogar Heilpraktiker und Hypnotiseure: Ich habe seit der Hypnose keine Angst vor Spinnen mehr, aber darum ging es ja nun eigentlich überhaupt nicht.

Auf jeden Fall ist Fakt, dass seit 1980 alles, was ich eventuell haben könnte, angeblich  immer „nur“ psychisch bedingt ist, Wie sollte ich vor vier Jahren darauf kommen, dass es ganz und gar nicht psychisch sein sollte???

Von daher erst mal eine Zigarette rauchen, immerhin hatte ich nie den bekloppten Satz der Nachbarin Frau N. aus dem Kopf bekommen: „Ach Anne, so lange du noch rauchen kannst, stirbst du nicht!“ Todesangst war schon immer das Thema, und diese Todesängste waren im Laufe der Jahre und Jahrzehnte leider nicht geringer geworden. Noch eine geraucht  aber weiterhin Atemnot und Angst, Angst, Angst.

Und das Gefühl, die Angst wäre bedrohlicher als sonst, obwohl bedrohlicher als Todesangst ja kaum etwa sein kann, dieses Gefühl, es wäre anders, noch schlimmer als sonst, das krallte sich fest. Zugegeben, ich habe mich dann drauf konzentriert, was mir ja dann auch irgendwie zu bestätigen schien, dass es „wieder nur“ psychisch sein konnte … Aber es ging mir weiterhin so unerträglich furchtbar und panisch, dass ich unbedingt wollte, dass irgendjemand davon wusste. Ich wollte nicht unbemerkt tage- oder wochenlang tot in der Wohnung liegen; vielleicht hätte man mir ja doch noch helfen können …

Und so überwand ich an diesem Abend vor vier Jahren meine Ärzte-Phobie, so schlimm war es. In Ermangelung von Freunden oder Verwandten sah ich nur die Option, den Notarzt anzurufen, was ich dann auch tat.

Ich schilderte die Symptome, relativierte natürlich wieder alles, fand es ganz schlimm , andere mit mir zu belästigen und beendete das Gespräch damit, dass ch mich dafür entschuldigte … eine Stunde später rief ich wieder an.

Der Rettungsdienst kam, brachte den Notarzt, in diesem Fall die Notärztin, gleich mit … und ab da weiß ich nur noch wenig. Sie versuchten alle, mich zu beruhigen, maßen Blutdruck, schrieben EKG und suchten einen Stuhl, um mich darauf die Treppe runter zu tragen. Ich und Krankenhaus? Horror!!! Aber ich hatte nichts mehr zu sagen, ich weiß weder, wie ich in den Rettungswagen kam, noch etwas von der Fahrt ins nächstliegende Krankenhaus … eine schwache Erinnerung kommt an ein Zimmer, in das man mich brachte und ich hatte nur Angst, dass ich zu wacklig auf den Beinen sein könnte, um bis ins Badezimmer zu kommen.

Die nächste Szene spielt im Flur, wo ein Arzt auf mich einredet, ich müsse in die Uni-Klinik verlegt werden, da ich einen Tumor im Herzen zu haben schien .. und ich das natürlich nicht wollte. Die nächste Erinnerung spielt sich dann schon in der Uni-Klinik ab, genauer gesagt in einer der dortigen Intensiv-Stationen.

Wäre ich vor vier Jahren nicht an der Lungenembolie gestorben, und nach Ärzte-Meinung war es wie ein Wunder, dass ich das geschafft habe … hätte mich die Lungenembolie also nicht dahin gerafft, dann wäre es über kurz oder lang das Herz gewesen. Insofern hat mir die Embolie dann auch irgendwie das Leben gerettet. Und Ärzte, die nicht nur guckten und sicher waren: „Alles nur psychisch!“

Ich bin heute dann auch seit vier Jahren Nichtraucher! Und das ist etwas was ich mir selbst immer noch nicht glauben kann …

 

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